In der Steiermark wird bald zu heißen, südamerikanischen Rhythmen das Tanzbein geschwungen. Getanzt wird jedoch kein Tango – man bewegt sich zum Walzer, der auch in Venezuela Tradition hat.


Diese Gemeinsamkeit der beiden prinzipiell unterschiedlichen Kulturen Venezuales und Österreichs war es, die die Musikerin und Sängerin Marisol Kahrrillo dazu brachte, beim Projekt „Fremdsehen“ mitzuwirken.
Neben 14 anderen Projektteilnehmern wird Marisol im Zuge der Regionale 2010 von 10.-24. Juli im Ennstal leben und künstlerisch tätig sein. Read the rest of this entry »

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Ja, wir kommen alle irgendwo her und wir gehen alle irgendwohin – auch wenn wir oft nicht genau wissen, wohin. Was uns allerdings bewusst sein sollte, ist, woher wir kommen. Deshalb will Emina Saric bei ihrem Aufenthalt in Donnersbach/Aigen mit den Bewohnern deren Stammbäume erforschen.

 

Die Herkunft bestimmt die Identität
Emina ist die Herkunft der Menschen wichtig. Sie bestimmt oft die Sprache, und damit die Identität. Sie selbst wurde während des Bosnien-Kriegs aus ihrer Heimat vertrieben, fand in Österreich eine neue Sprache als Zufluchtsort, und bis heute auch ein neues zu Hause. Trotzdem bestimmen ihre Wurzeln ihr Leben mit, nicht zuletzt ihr Fremdsein.

 

Aber: „Österreich hat mir die Möglichkeit gegeben, eine neue Identität aufzubauen“, sagt sie. Heute fühlt sie sich nicht mehr fremd, auch wenn die Bilder, die sich in ihrer Muttersprache eingeprägt haben, immer noch da sind. Sie hat es geschafft, ihr Gleichgewicht zwischen beiden Sprachen, beiden Heimaten zu finden.

 

Von der Heimat wieder in die Fremde
Anfang Juli allerdings wird sie wieder fremd sein: In Donnersbach/Aigen kennt sie niemand, aber sie will die Bewohner kennenlernen und ihre Geschichten erforschen. „Die Menschen sollen darüber nachdenken, was ‚fremd sein’ bedeutet, und dass es nicht nur negativ ist.“ Sie sollen herausfinden, ob ihre Vorfahren vielleicht auch fremd waren, wo sie heute zu Hause sind. Seine Wurzeln zu sehen hieße auch, sich selbst kennenzulernen, findet Emina. „Dann kann man auch offen gegenüber anderen Fremden sein.“ – Wenn man merkt, dass man selbst auch ein bisschen fremd ist.

 

Veranschaulichen will sie ihre Gedanken, die oft sehr philosophischer Natur sind, in ihrem Endprojekt. Sie möchte die Geschichten der Menschen, die sie kennenlernt, nicht nur hören, sondern dokumentieren. In die Oberfläche einer Parkbank foliert, sollen sie die Vergänglichkeit einer Ausstellung überdauern, und die Bewohner des Ortes auch nach Eminas Besuch zum Nachdenken über ihre Herkunft anregen.

Interview mit Emina Saric von Caroline Mempör
 
 
 
 

  

 

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(Joachim Hainzl)

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