Die Kleine Zeitung hat am 14. August 2010 einen Artikel über Fiston Mwanza und sein Abschlussprojekt als Grazer Stadtschreiber veröffentlicht.

Wer’s nicht schon gelesen hat, kann das unter diesem Link nachholen.

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Solitude 11

Les jambes du ciel…

(Straßenlärm) 

Solitude 11

Les jambes du ciel…

1

(Straßenlärm) 

Mein Körper ist nicht mehr zu vermieten

Mein Blut ist nicht mehr zu trinken

Müde, viele Sprachen zu tragen

Ohne von der Angina zu wissen

Ich weigere mich, ein Turmbau zu Babel zu sein

Genesis 11, 1-9

  2

(Klaviermusik)  

Dieses Antragsformular ist unentgeltlich

Familienname: Eingewandert 

Geburtstname: Papierlos

Vorname: Heimlich

Geburstdatum: 1056 vor Jesus Christus

Geburtsort: Zwischen Berlin und Harlem  

 3

(Hund bellt)

Name des Vater: Ich vergesse das…

Name der Mutter: Ich gehe schlafen…

Geschwister: Warum nicht?

Kinder: Halbes Dutzend

  4

(Dramatische Musik)

PLZ, Ort: Neben einem Marktplatz

Straße*, Hausnr.*:  Wäschetrockner, 17

Fax: Rotwein. 14.1.45. 

Telefon: Ich habe Hunger…

E-Mail-Adresse: Ach so!

5

(Straße „Schmutzfink“)

(Straße „Schlafanzug“)

(Straße „Schrank“ oder „Speichel“)

Arbeit: Arbeitslosigkeit

Freizeit: Trunksucht

Lieblingsmusik: Die Lärmen

6

(fdvtbncdfhvgrynhdhio

dzcvbbbbbbbbbbbbbvhe

oghbnvgygvbn uirhgneo

v zgygfyfgfiuoiiroffffffff)

Familienstand

-Manchmal getrennt lebend

Familienstand zum Zeitpkt.

der Geburt des Kindes

-Entschuldigung

Sie sind sehr neugierig

7

Land: Diaspora 

Staatsangehörigkeit: keine Ahnung!

Geschlecht: Circa männlich

Sprachen: Turmbau zu Babel 

 8

Abfälle

Die Kröten sind Reißzwecke

Die Gemüse spucken das Gebrüll

Die Vögel brauchen den Dreck und den Dreck

Skorpione brennen die zweite Schwangerschaft

Ich laufe (renne) durch ein Gelände

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht 

9

(Musik wird schneller und lauter)

Ich mag keine Krawatten

Mein Leben ist ein Märchen

-Haben Sie einen Regisseur?

Oder einen Schlechte Schauspieler?

 10

(Das Fenster wird geschlossen)

Zwischen dem Gelächter des Himmels

Ich schlucke meinen Speichel…

Mein schmutziger Mund stinkt

Nach Urin und dem Geruch von Autowracks

  11

(Polizeisirene)

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je ne pourrais pas devenir un autre type

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Mon placenta est enterré

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Dans le village de mes grand-pères  

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’entorse

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’escargot

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’épine dorsale

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’allergie

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’insomnie

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure mon sperme

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure la rage du chien

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure l’embouteillage et les lignes coupées

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure le cordon ombilical de la dernière prophétie

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure les larmes du temps

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure les carcasses de ma propre chair

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure le point de chute de la bêtise

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure la sève qui empoisonne la silure

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Silure, silure, silure de mon corps en singe et désastres puerils

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Je demeure la poisse qui se mange mains nues

Tiere und Fahrgemeinschaft der Tobsucht

Mon corps-en-sang, alexandrins du silence

12

(Tür wird aufgeschlossen)

Les chats gesticulent

Derrière les comptoirs

De la pourriture et moi, je cherche

Les débris de mon corps accrochés

Dans les marécages de mon pays lointain 

Si lointain… 

  13

(Zug rattert)

Ich bin zweimal geboren

Hier et anderswo

Ich bin Österreicher, bin Bangladesh, bin Deutscher, bin Kongolese, bin Iraker, bin Engländer, bin Mexikaner, bin Belgier, bin Kanadier, bin Türke, bin Franzose, bin Iraner, bin Niederländer, bin Amerikaner, bin Schwede, bin Holländer, bin Schweizer, bin Tscheche, bin Libanese, bin Italiener, bin Marokkaner, bin Däne…

-Wie heisst du?

-Ein Mensch!

-Wie bitte?

-Vielleicht ein  Mensch! 

 14

(männliche Stimme aus dem Radio)

Die Seele treibt

Die Seele in die Höhle des schwarzen Schafes  

15

(Jemand atmet zweimal) 

Haben Sie eine andere Staatsangehörigkeit beantragt?

Besitzen Sie weitere gültige menschliche Reisepässe?

Wurden Ihre Fingerabdrücke bereits für  

die Zwecke eines Antrags auf ein menschliches-Visum erfasst? 

(Wilde Diskussion 1)

Ich suche Eingeweide

Du schreibst Schrei der Geisteskranken

Er wechselt Zähne

Wir vergessen das Schicksal

Ihr braucht eine Identitätsnummer

Sie verpassen die Lokomotive

16

(Wilde Diskussion 2 vielleicht in einem Lokal)

I seek my life

In the stomach of the world

Achtung

Wie bitte?

Chance…

The time for internal failures

Questions without answers

Cracks

Sighs

Screams

Träume

Gelatine

Schlaflosigkeit

Durchfall

Kratzer

Übelkeit

Verlust des Gedächtnisses

Orte der Kindheit

Die Zeit eines Flusses

Der die Hungrigen Sternen Kreuze

-Hast du meinen Schlaf?

Oder die Beine des Himmels…

 

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Ici…

Gasthof Hensle, Markt 43…

Naturpark Steirische Eisenwurzen, Markt 35…

Hermann (Papier-Tabak-Trafik-Souvenirs)

Reisebüro Höllmüller

Haus Maiereck

Restaurant Rittergrill

(Ruhetag=Dienstag)

Peterbauernhof

Jausenstation Schönegger

(Ruhetag=Dienstag)

Mengg Alm

(Erika & Christina Kohlhuber)

Elektronik Weiss/Red-Zac

Agentur Pirker & Partner

Soundsplash

(Event-Medientechnik)

Friseur Angerer

Burgtaverne “Burg Gallenstein”

Telefonnummer=+43(0)3632/7518

Sankt Gallen

Von der Poesie zur nüchternen Bestandsaufnahme…

Tatsächlich und wahrhaftig!

Übersetzung : Gerhard Teissl

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Es ist besser, mit einer Frau zu sprechen und an Gott zu denken, als mit Gott zu sprechen und an eine Frau zu denken. (jiddisches Sprichwort)

Mvua*

(Saxophone, Percussions, Trommeln, Gitarren…)                

 Der Himmel weint Krokodilstränen…
er weint, er weint, er weint und er hört auf…
er weint, er weint, er weint und er hört auf…
er weint, er weint, er weint und er hört auf…
Der Regen…
Ein wenig Poesie zu verjagen
Diese Sonne, die uns verbrennt in den letzten Tagen…
Diese Dingsbumms-Sonne…
Diese Schubkarren-Sonne…
Diese Hundefleisch-Sonne…
Diese Maskenball-Sonne…
Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah…
Jahwe wir danken dir…
Deuteronomium 11, Vers 14

Mvua*: bedeutet “Regen” auf Suaheli.

(Übersetzung: Johannes Schmit)

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Eine Begegnung ist nur der Beginn einer Trennung.

(japanisches Sprichwort)

Solitude 4

Es bedarf nur einiger Gläser Rotwein

Dazu ein gutes Bier, um mich in jenen Straßen wieder zu finden, wo ich das Licht der Welt erblickt habe…

Manchmal sind es auch mir unbekannte Städte, wie New Jersey und Katmandu und Beirut und Singapur und Tokio und Belem und Istanbul und Harlem und Khartum und Mogadischu und Antanarivo und Peking und Nairobi und Sarajevo und Köln und Paris und Lüttich, und…

Habt ihr schon einmal einen Fuß auf den Boden von Katmandu gesetzt? oder vielleicht sogar auf jenen von Inhambane, auf Portugiesisch: Província da Inhambane? Diese Provinz von Mozambique, die geradewegs von ihren Nasenflügeln auf den Indischen Ozean hinaus blickt…?

Es passiert mir manchmal, dass ich mir die Beine in Inhambane vertrete, und dass ich dort das ganze Jahr 1763 verbringe, das Datum, das die Errichtung eines Forts markiert, dem Forte de Nossa Senhora da Conceição. Dieses Fort ermöglichte Inhambane – einst Buschland und Gestrüpp – sich in den Status einer Stadt zu erheben wie Kinshasa, vormals Léopoldville, Tochter des Lichts ungeachtet ihrer endlosen Nächte ohne elektrischen Strom und anderen Schwelgereien oder Graz mit ihrem Schlossberg und all den Jazzkonzerten, Jazz, Jazz, und Free Jazz!

Übersetzung: Gerhard Teissl

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Nur der Schuh weiß, ob der Socken Löcher hat.

(kreolisches Sprichwort)

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Gott regiert im Himmel und das Geld auf Erden.

(deutsches Sprichwort)

Wenn das Geld spricht, schweigt die Wahrheit.

(kongolesisches Sprichwort) Read the rest of this entry »

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Den Schweiß sieht man nicht, wenn es regnet.

(senegalesisches Sprichwort)

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Man soll ein Mal beten, bevor man in den Krieg zieht, zwei Mal, bevor man sich aufs Meer wagt und drei Mal bevor man heiratet.

(spanisches Sprichwort)

In der Einsamkeit der Feldwege von St. Gallen

So weit ich weiß, und das ist alles was ich weiß, geht die Sonne in Lisala auf und in Tshela unter oder in Tsiela-Mbanga oder auch in Tsiela, was nur jenen missfällt, die  alles weiß sehen und die auch noch über die Sonnenfinsternis von Katakokombe murren…l

Absatz.

Ich sehne mich danach, Mbuji Mayi wa balengela zu entdecken, abgekürzt Mbuji Mayi, vormals Bakwanga, Stadt meines Urgroßvaters, aufgefädelt am Ufer des Flusses Mbuji Mayi („das Wasser der Ziege“ oder „die Ziege des Wassers“, je nachdem), bekannt für ihre anarchische Bauweise, ihre unaufhaltsam wachsende Bevölkerung, ihren Speichel und ihre…

Diamanten, die einem vom Himmel auf den Kopf fallen…

Absatz.

Ich sehne mich danach, Tshimbalanga, den Zweitjüngsten aller meiner Onkel wieder zu finden, weg von allen und verschollen in den Diamantminen, zwischen Dimbelenge und Tshikapa…

Absatz

Ich sehne mich nach Kinshasa zu seinen verlorenen Stunden oder nach Lubumbashi mit dem verlorenen linken Bein im Norden von Rhodesien, besser gesagt Sambia…

Absatz

Die Seelenqual ist lange und bedächtig und schlüpfrig und düster, gleicht der Eisenbahnlinie  Bumba-Aketi-Isiro-Mungbere… Nur die Zugvögel nähren ihre Träumereien und transzendieren die Keimfreiheit, soll heißen, dass nichts der Wut der Sonne gleicht außer das post-Noah-Erbrochene…

Absatz.

Übersetzung: Gerhard Teissel

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Von St. Elisabeth* nach St. Gallen…

Ich bin in eine Großfamilie geboren: vier Brüder, drei Schwestern, 19 Onkel, 22 oder 24 Tanten, 32 Cousins, 26 Nichten… Jeder Tag bei meinen Eltern war wie ein Feiertag… Die Onkel kamen an, die Tanten kamen an, die Cousins kamen an, die Freunde kamen an… Kartenspiel, Schachspiel, Weinflaschen, alle möglichen Sorten Bier, gute Musik, Tanzschritte, Lachen, das Essen serviert auf drei großen Tischen… das war die goldene Zeit. Nicht einen Tag, den ich hätte alleine sein können. Es gab immer etwas zu Ende zu bringen und etwas Neues zu beginnnen.
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